Ende 2020 erhielten wir eine E-Mail von Deutschlands größtem Immobilienportal, ImmobilienScout24. Eigentümer eines Einfamilienhauses aus Berlin-Baumschulenweg baten um Kontaktaufnahme, um den Wert Ihrer Immobilie zu ermitteln. Immobilienscout24 vermittelt Eigentümern regelmäßig insgesamt drei Immobilienunternehmen, die sich dann mit ihrer Dienstleistung bei den potentiellen Verkäufern bewerben können. Die Eigentümer holen also drei Angebote ein, wenn man so will. Zwei Wochen später freute ich mich auf das Treffen mit dem Eigentümer-Paar. Frau und Herr S. besitzen ein mittlerweile zu groß gewordenes, voll unterkellertes Einfamilienhaus in Berlin-Baumschulenweg, welches sie altersbedingt verkaufen möchten. Beide träumen von einem kleineren Haus im Bungalowstil, mit etwas Garten und einer Terrasse  – also alles pflegeleicht. Ich erkannte sofort die Aufgabe, die nicht nur darin bestand das Haus zu verkaufen, sondern – und das ist die besondere Herausforderung – ein neues Zuhause zu finden. Ich bemerkte im Gespräch, dass ich wohl der letzte der drei Makler war, die sich bei Familie S. vorgestellt hatten. Am Ende eines wirklich guten Gesprächs kam heraus, dass sich Familie S. augenscheinlich von einem meiner Vorgänger unter Druck setzen ließ – denn man legte mir einen bereits unterschriebenen Verkaufsauftrag vor. Natürlich erhielt mein Maklerherz dann erst einmal einen Dämpfer, aber so leicht wollte ich dann nicht aufgeben. Ich versprach Familie S. mich dennoch sehr dafür zu engagieren, für sie ein neues Zuhause zu finden, auch wenn ich den Verkaufsauftrag für die bestehende Immobilie vorerst nicht erhalten könne. Ich bekam am Ende des Gesprächs das Gefühl, Familie S. würde es schon beinahe bereuen den anderen Makler beauftragt zu haben – zeigte sich dieser wohl nicht so engagiert eine Gesamtlösung für das Problem zu finden.

So zog ich von dannen, mit vielen Gedanken und Überlegungen im Kopf wie ich den beiden helfen könnte. Eine Immobilie, die wir derzeit verkaufen, kam mir sofort in den Sinn. Wir übersandten Familie S. das Exposé, mit dem sich beide ausführlich beschäftigten. Leider war die infrastrukturelle Anbindung dann nicht so ideal. Folgend begaben wir uns auf die Suche nach einer passenderen Immobilie. Zeitgleich begann der Maklerkollege mit dem Verkauf der Immobilie der Familie S.. 

Anfang Oktober trat ich erneut mit der Familie in Kontakt, leider konnten wir noch kein passendes Objekt akquirieren, dies teilte ich Familie S. mit. Sofort erhielt ich eine Antwort, die mich erschütterte. Herr S. läge schwer erkrankt im Krankenhaus. Sämtliche Aktivitäten sind eingestellt worden – verständlich! Ich wünschte Frau S. viel Stärke, Kraft und dennoch positive Gedanken, um diese schwere Zeit, besonders unter Corona-Bedingungen, zu überstehen. Gleichzeitig bat ich erneut meine Hilfe an, sobald diese wieder benötigt würde.

Eineinhalb Wochen später erhielt ich eine Nachricht von Frau S., die mich kurzzeitig komplett aus der Fassung brachte. Ihr Mann sei verstorben….Sie suche nun kein Haus mehr, sondern vielmehr eine seniorengerechte Wohnung. Ich musste mich erst einmal sammeln, saßen wir vor kurzem doch erst alle zusammen, gemeinsam am Tisch und haben geplaudert. Nur einen Monat später hat uns Herr S. verlassen – dieses Gefühl, was ich empfunden habe, kann ich kaum beschrieben. Wie mag es dann erst Frau S. ergangen sein!? Hinfallen, innehalten, aufstehen! Jetzt sah ich mich noch mehr in der Pflicht Frau S. zu helfen. Ich hatte sofort eine tolle, seniorengerechte Anlage im Sinn, führte ein paar Telefonate und schon traf ich Frau S. bei einer Besichtigung einer tollen, altersgerechten Wohnung, mit Terrasse und kleinem Garten wieder. Sie war sofort überzeugt und sagte zu.

Nun bat Sie mich den Verkauf Ihres Hauses zu übernehmen. Wir sprachen nie über den anderen Makler und über das was er erreicht oder nicht erreicht hatte. Es brauchte keine Worte um für mich festzustellen, dass Frau S. uns nun sehr dankbar war und uns belohnen wollte für unser uneigennütziges Engagement. Das klingt immer so hochtrabend – ist aber eine Selbstverständlichkeit und ein rein menschliches Verhalten. Dies scheint in der heutigen Zeit aber leider immer öfter verloren zu gehen. Besonders, wenn es um das „große Geld“ geht. 

Unser ganzes Team freute sich auf die neue Aufgabe, den Verkauf der Immobilie. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir von der Nachfrage überrannt wurden. Obwohl wir sehr viele Interessenten „vorgefiltert“ hatten und ausdrücklich darauf hingewiesen wurde ausschließlich eine diskrete Außenbesichtigung durchzuführen, gab es es einige Interessenten, die in ihrer verzweifelten Phase der Suche, bei Frau S. geklingelt haben und das Gespräch suchten. Eine Frau die gerade erst ihren Mann verloren hatte. Das musste unterbunden werden! Ich muss kurz einwerfen: Hut ab vor dieser Frau. Sie hat solch eine Stärke bewiesen, hat sich von dem Druck völlig unbeeindruckt gezeigt. „Sie haben doch das Exposé von meinem Makler bekommen? Dann melden Sie sich bitte auch bei ihm“. Wir waren ein eingespieltes Team.

Acht Besichtigungen wurden angesetzt. In der Entscheidung waren Frau S. und ich uns schnell einig. Eine freundliche Familie aus Baumschulenweg, denen der Platz in ihrer Wohnung zu viert dann doch zu eng wurde. Die weitere Abwicklung verlief reibungslos. Ein stabiler, finanzieller Hintergrund der Interessenten und ein verlässliches und stetiges Miteinander führten zu einem erfolgreichen Notartermin. Nun dürfen wir auch die Wohnung der Käufer verkaufen  – alle waren glücklich und zufrieden. Das sollte das Ziel eines Maklers sein! Erkenne das Problem im Ganzen – biete Lösungen an – versteife dich nicht auf das schnelle Geld. Daran glaube ich fest. – Daniel Werner