Aufgrund verschiedener Faktoren, die die Welt bewegen, steigen die Zinsen diverser Kredite und beeinflussen somit natürlich auch den Immobilienmarkt. Was Sie darüber wissen müssen und was das für Sie als Investor*in genau bedeutet, zeigen wir Ihnen im heutigen Artikel. 

Fans des klassischen Sparbuchs werden sich natürlich über die steigenden Zinsen freuen, weil diese eventuell mehr Gewinn für sie bedeuten. Für Menschen, die einen Kredit aufnehmen möchten, hat die Erhöhung allerdings fatale Folgen. Wer sich in Zeiten der Zinswende eine eigene Immobilie finanzieren möchte, muss also mehr von seinem eigenen Geld auf den Tisch legen als vorher. 

Zwar sind die allgemein anfallende Bauzinsen historisch gesehen immer noch relativ niedrig, aber Experten gehen schon heute von einem realistischen Anstieg der Zinsen auf über 2,0 % im Laufe dieses Jahres aus. 

Der Unterschied zwischen Bauzins und Leitzins 

Steigende Leitzinsen bekommen Kreditnehmende häufig nicht sofort mit. Stattdessen passen sich die Konditionen der Finanzierungen mit der Zeit immer weiter an. Der Grund: Hierzulande ist jeglicher Bauzins nicht direkt an einen Leitzins gekoppelt, sondern stattdessen mit einer Rendite von Bundesanleihen, welche in der Regel eine zehnjährige Laufzeit besitzen.

Schauen wir uns zum Verständnis noch einmal kurz an, wie das Ganze in der Praxis abläuft: Zunächst leihen sich die Banken Geld von Anlegenden, um einen Immobilienkredit finanzieren zu können. Die erwähnten Anlegenden sind keine Privatkund*innen, sondern institutionelle Investoren, welche für ihr Geld von den Banken einen Pfandbrief erhalten. 

Diese sind wiederum mit einem anderen Wert abgesichert, welcher häufig als eine Immobilie im Besitz der Bank ausfällt. Das Geld, dass die Bank dem Investor in Form von Zinsen draufzahlen muss, gibt sie in Form eines Aufschlages an den Kreditnehmenden. 

Die Kettenreaktion einer Zinswende 

Wenn nun der Leitzins angehoben wird, steigen zunächst jegliche Zinsen für Anlagen mit einer kurzen Zinsbindung. Mit anderen Worten: Die Zinsen auf dem Geldmarkt steigen. Diese ziehen wiederum neue Anlegende an, welche sich zuvor ausschließlich für Investitionen am Kapitalmarkt interessierten, zu dem unter anderem Staatsanleihen gehören. Hier kommt es jetzt zu einer Kettenreaktion. 

Der Staat muss mit der Zeit immer niedrigere Preise akzeptieren, sobald die Nachfrage nach Staatsanleihen gesunken ist. Im Umkehrschluss heißt das, dass höhere Zinsen an die Anlegenden gezahlt werden müssen, damit deren Rendite erhöht und somit eine Investition in eine Anleihe attraktiver gemacht wird. Eben mit diesen Zinsen steigen auch Pfandbriefzinsen und Zinsen für diverse Baufinanzierungen.

Zinswende: Auf diese Veränderungen müssen Sie sich einstellen 

Die Zinswende verändert unseren Alltag vor allem in zwei wichtigen Punkten: Steigende Zinsen in der Baufinanzierung und steigende Sparzinsen. Wenn Sie in naher Zukunft die Finanzierung einer Immobilie geplant haben und sich an ein festes Budget halten möchten, sollten Sie mit diesem Vorhaben also besser nicht allzu lange warten. Wenn die Zinsen bereits dieses Jahr deutlich steigen, werden sie es je nach wirtschaftlicher Situation womöglich auch noch in den nächsten Jahren. 

Für Rücklagen auf Ihrem Sparbuch oder auf einem Tagesgeldkonto können Sie in den nächsten 1-2 Jahren allerdings positive Nachrichten erwarten. Wenn Sie bisher unter dem Wertverlust Ihrer Rücklagen gelitten haben, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Ihrer Verluste wieder zurück bekommen.  

Update: Zinswende – Einfluss auf Immobilien und Immobilienfinanzierung

Aufgrund einiger Nachfragen äußern wir hier gerne unsere Sicht auf den Einfluß der Zinswende am Immobilienmarkt. Wir gehen davon aus, dass sich die Situation am Immobilienmarkt in den kommenden Jahren ändern wird. Doch was bedeutet das für die Preise und den Verkauf von Immobilien? Experten sehen ein Ende der Preissteigerung in den nächsten Jahren. Vielleicht können die Angebotspreise von Immobilien sogar ein bisschen sinken. Grund sind die Anpassungen am Leitzins und die damit verbunden neuen Herausforderungen bei der Finanzierung von Immobilien. Kurz gesagt, werden sich viele Menschen den Kauf einer Immobilie nicht mehr leisten können. Ein Beispiel:

Gehen wir davon aus, Sie wollen eine Immobilie finanzieren, die 500.000,00€ kostet. Dann liegen Sie nach aktuellem Stand (April 2022) schon bei 400,00€ bis 500,00€ mehr Zinsen pro Monat als noch vor einem Jahr. Diese Kosten werden zusammen mit den Zinsen weiter steigen. In den kommenden Jahren werden Sie, für das gleiche Geld, also um die 500,00€ bis 800,00€ mehr Zinsen zahlen müssen. Bei 2% Zinsen und 2,5% Tilgung liegen Sie bei einer 500.000,00€ Finanzierung bei ca. 1.875,00€ an Kosten. (Je nach Laufzeit, Eigenkapital und Angebot) Und das jeden Monat. Das führt dazu, dass sich viele den Traum von der eigenen Immobilie nicht mehr leisten können. Mit der aktuellen Krise steigt auch das Risiko von Jobverlust und damit verbunden ein geringeres Einkommen. Daraus resultieren oft Notverkäufe was zu einem gesteigerten Angebot am Immobilienmarkt führen kann. Also mehr Angebot und weniger Menschen die es sich leisten können. Dann folgen Anpassungen an Bodenrichtwerten und den Angebotspreisen. Das hat Folgen und kann die Preise drücken, was wiederum den Verkauf von Immobilien erschwert. Wie weit sich eine Zinsspirale und die damit verbundenen Probleme bei Finanzierung und Verkauf entwickelt, können wir nicht absehen. Für die Frage nach dem besten Zeitpunkt um die eigene Immobilie zu verkaufen, raten wir oft dazu die jetzige Marktsituation noch zu nutzen. Jede Immobilie und Ausgangssituation ist anders und muss individuell betrachtet werden. Für alles gibt es eine gute Lösung.

Wir merken, dass aktuell viel Druck in diesem Thema ist und bieten Ihnen an, sich unverbindlich mit uns auszutauschen. Wenn es Fragen dazu gibt, können Sie sich gerne bei uns melden. Wir beraten Sie gerne rund um den Kauf und Verkauf von Immobilien.