Wie wird das Leben rund um den Hauptstadtflughafen BER?

Nach etwas holprigen 14 Jahren Bauzeit wird wohl am 31. Oktober 2020 der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt, kurz BER, seinen Betrieb aufnehmen und damit Deutschlands drittgrößter Flughafen. Der gesamte Luftverkehr der Berliner Region wird auf den erweiterten Standort in Schönefeld konzentriert und geplant ist eine Kapazität von bis zu 43 Millionen Passagieren pro Jahr.

Der neue Hauptstadtflughafen ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas – wie attraktiv wird das Leben in dem Gebiet rund um das 1470 Hektar große Gelände?

Vor Ort am BER – Der Terminal.

Verkehrsanbindung

Durch die im kommenden November geplante Schließung des Flughafen Tegels wurden bereits etliche Vorbereitungen getroffen, um den enormen Anstieg der Reisenden im Südosten Berlins auffangen zu können. Eine davon ist der neue Bahnhof Berlin Flughafen BER, der direkt unterhalb des neuen Flughafenterminals liegt und bereits seit 2011 auf seine Inbetriebnahme wartet. Zur Anbindung des Bahnhofs an das übrige Schienennetz wurden insgesamt rund 27 km Strecken ausgebaut, er besitzt 6 Bahngleise mit Anbindung an den Regional-, Fern und S-Bahnverkehr. Die Regional-Express-Linie E9 soll zukünftig als Flughafenexpress (FEX) den Berliner Hauptbahnhof und den Flughafen Bahnhof mit nur 2 Zwischenstopps und einer Fahrtzeit von lediglich 29 Minuten verbinden. Diese schnelle Verbindung in die Berliner Innenstadt dürfte besonders für Pendler sehr interessant sein. Der alte Bahnhof Berlin Schönefeld wird nach Eröffnung des Flughafen-Bahnhofs in Flughafen BER Terminal 5 umbenannt und nur noch vom S-Bahnverkehr bedient.

Der seit Jahren geplante Ausbau der U7-Strecke von Rudow bis zum BER würde die Anbindung zusätzlich enorm verbessern.

Im März 2020 wurden Berechnungen der BVG bekannt, die mit einem Anstieg von täglich 38.000 Passagieren durch den Ausbau der U-Bahnstrecke rechnen. Allerdings sind die voraussichtlichen Kosten in Höhe von ca. 700 Millionen € hoch und die Finanzierungsübernahme noch nicht geklärt, weshalb die abschließenden politischen Entscheidungen dafür bisher noch ausgeblieben sind.

Die 2008 fertiggestellte sechsspurige Autobahn A113 verbindet den Berliner Stadtring (A100) und das Schönefelder Kreuz und ist schon seit Jahren wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur im Süden von Berlin.

Vor Ort am BER – Blick in die Empfangshalle.

Airport City

Nicht nur am Flughafen selbst, sondern auch neben dem Terminal sollen am urbanen Dienstleistungsgelände Airport City zahlreiche Arbeitsplätze entstehen. Laut Studien sollen bis zu 85.000 neue Beschäftigte in die gesamte Region rund um den BER kommen, darunter allein 20.000 abwandernde Mitarbeiter vom Flughafen Tegel am anderen Ende der Stadt.

In der Airport City, einer eigenen kleinen Stadt am BER, werden 3 Quartiere entstehen. Ein Quartier ist bereits weitestgehend fertig, es befindet sich direkt am Willy-Brandt-Platz und beherbergt ein bereits vollständig vermietetes Bürogebäude, sowie ein Vier-Sterne-Hotel und mehrere Parkhäuser. Ein zweites Hotelgebäude, sowie die beiden Quartiere Midfield Gardens und das Airgate, das Tor zum BER, befinden sich bereits in der Planung. Doch es sollen keine reinen Bürostädte werden. Vielmehr ist eine Nutzmischung geplant und die Büros, Hotels und Kongressangebote werden durch gastronomische und Wellness-Einrichtungen ergänzt. Die dadurch entstehende hohe Aufenthaltsqualität und sehr gute Adresslage sowie Anbindung lockt bereits zahlreiche internationale Investoren und Firmen an.

Wirtschaftsstandort

Hochwertige Flächen rund um das Flughafengebiet bieten beste Voraussetzungen, um sich wirtschaftlich zu entwickeln und zu wachsen. Neben Deutschlands größtem Wissenschafts- und Technologieparks Berlin Adlershof, kurz WISTA, mit über 1200 Unternehmen und Instituten, zählen auch die beiden angrenzenden Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald zu den Wirtschaftsregionen mit dem größten Wachstum. In Teltow-Fläming haben sich namhafte Konzerne wie Rolls-Royce, Mercedes und MTU angesiedelt, der Landkreis hat sich zu einem der wichtigsten Standorte für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt. Auch viele neue Unternehmen aus der Logistikbranche und Biotechnologie sind hier entstanden, insgesamt gibt es in 53 Gewerbegebieten ca. 800 Unternehmen. Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es neben der Technischen Hochschule Wildau (FH) mittlerweile rund 14.000 kleine und mittlere Unternehmen mit insgesamt ca. 55.000 Angestellten.

Vor Ort am BER – Ein- und Ausgang Richtung S-Bahn.

Wohnraum

Die Nachfrage nach Wohnraum in der angrenzenden Großgemeinde Schönefeld ist riesig. Hier entstehen in den nächsten Jahren unzählige Ein- und Mehrfamilienhäuser, sowie ca. 2000 Mietwohnungen.Trotz immer wieder verschobener Eröffnungstermine planen viele bereits langfristig einen Umzug in die Flughafenregion, nicht zuletzt aus beruflichen Gründen. Allein zahlreiche Mitarbeiter des Flughafen Tegels werden sich nach dessen Schließung nach einem kurzen Arbeitsweg sehnen – da kommen die vielen bereits realisierten und noch geplanten Bauprojekte in Neu-Schönefeld gerade recht. Aber auch immer mehr Berliner wollen lieber aus der vollen Stadt ins Umland ziehen. Nicht nur der Standort, auch die Infrastruktur ist in Schönefeld optimal: es gibt genügend Platz und Baurecht, neue Schulen und Kitas, das 2010 eröffnete Schwimmbad Schönefelder Welle und den größten Windtunnel Deutschlands.

Die Gemeinde Schönefeld gehört zum brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald und hat aktuell gut 16.000 Einwohner, bis 2030 soll die Einwohnerzahl allerdings auf 35.000 ansteigen.

Fluglärm

Ein weiterer Pluspunkt für Neubauten in Neu-Schönefeld: sie liegen außerhalb der Lärmkorridore des BER. Denn wer denkt bei einem Umzug in Flughafennähe nicht an die Lärmbelästigung?

Um den alten und zukünftigen Anwohnern Sorgen zu nehmen oder leider auch Gewissheit zu geben, hat die Flughafengesellschaft FBB ein interaktives Angebot gestartet: die Fluglärmprognose BER. Auf der Webseite kann zu jeder eingegebenen Adresse genau geprüft werden, wie hoch die Flugzeuge über das Haus fliegen und zu welchem maximalen Lautstärkepegel es kommt, wenn sich das Haus in den Lärmkorridoren des BER befindet. Außerdem wurden Schallschutzgebiete ausgewiesen. Falls das Grundstück innerhalb dieses Gebietes liegt, kann möglicherweise Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen bestehen. Weitere Informationen zu den genauen Bedingungen finden Sie hier: https://www.berlin-airport.de/de/nachbarn/schallschutzprogramm/hausbau-am-flughafen/index.php

Immerhin können sich Anwohner über ein paar Stunden Nachtruhe von Mitternacht bis 5 Uhr freuen und es ist zumindest noch offen, ob das Nachtflugverbot doch noch erweitert werden könnte.

So richtig glauben kann man es erst, wenn der BER wirklich Ende Oktober 2020 eröffnet – doch dann könnte alles ganz schnell gehen. Die rund 24 Millionen Passagiere, die der Flughafen Tegel jährlich abgefertigt hat, werden dann alle zusätzlich in der BER-Region landen. Ein solcher Anstieg wird enormen Schwung in die gesamte Gegend bringen und es bleibt nur zu hoffen, dass die lange Bau- und Testzeit sich ausgezahlt hat und nichts schief geht. Hoffentlich stimmen die optimistischen Prognosen der Planungsgesellschaften auch jetzt nach Corona noch. Wenn dann das neu gewonnene Umweltbewusstsein noch dafür sorgt, dass alle das Rad statt dem Auto nehmen, wird sogar ein Verkehrschaos auf den Autobahnen verhindert und alle sind zufrieden.

Kundinnen und Kunden konfrontieren uns oft mit kritischen Fragen zu Immobilien am Flughafen. Es geht um Fluglärm, Schallschutz und die Entwicklung des Marktes. Wir helfen gerne dabei offene Fragen zu klären. Sprechen Sie und an. Wir helfen unverbindlich und teilen unsere Erfahrung.